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RGZ Rücken- & Gesundheitszentrum
Johann Gubisch
Gersthofer Str. 4
65929 Frankfurt
Tel.: (069) 31 33 00
E-Mail: johann.gubisch@t-online.de

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Gesundheitsnews



Gesundheits-Apps für Rücken- und Rheumaleiden
Unkontrollierte Aussagen und Anwendungstipps

Smartphone-Nutzer, die sich mit Rücken- oder Gelenkschmerzen herumplagen, stoßen in ihrem jeweiligen App-Store auf ein großes und unüberschaubares Angebot von Gesundheits-Apps zum Downloaden.

Doch Schmerzpatienten haben dort keine Chance, geeignete von untauglichen oder gar gesundheitsschädlichen Apps zu unterscheiden. "Zu dürftig sind meist die Hinweise zum Zweck, Nutzen und den Grenzen einer Anwendung und zu dünn die medizinischen Belege für Infos, Ratschläge und Empfehlungen" – so lautet die Einschätzung der Verbraucherzentrale NRW nach dem Studium von 17 Gesundheits-Apps, die speziell im Play Store für Android-Smartphone-Nutzer zur Linderung von Rücken-, Rheuma- und weiteren Beschwerden des Bewegungsapparats kostenlos angeboten werden. "Gesundheits-Apps, die keinen verlässlichen und medizinisch fundierten Standard auf- und nachweisen, können bei der Anwendung mehr schädigen als nützen", warnt Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW.

Rücken, Rheuma, Muskelzerrungen – Schmerzen des Bewegungsapparats gehören zur Hitliste der Volksleiden. Schmerzgeplagte sind zunehmend mit Hilfe von Smartphone und Tablet auf der Suche nach Abhilfe und Heilung. Die Verbraucherzentrale NRW hat 17 Gesundheits-Apps von App-Anbietern, Pharmaunternehmen, Agenturen für Pharmakommunikation, einem Arzt, einer Selbsthilfeorganisation und sonstigen Firmen einer Prüfung unterzogen, die in erster Linie Bewegungsübungen oder das Führen eines Beschwerde- und Behandlungstagebuchs anbieten.

Im Fokus standen drei Fragen, die für ein seriöses und hilfreiches virtuelles Angebot nach Auffassung der Verbraucherzentrale NRW unabdingbar sind. Erstens: Können Verbraucher vor der Anwendung erkennen, ob die App für sie gemacht ist? Zweitens: Wenn die App explizit Personen mit Beschwerden anspricht, empfiehlt sie vor der Anwendung zwingend einen Arztbesuch? Und drittens: Erbringen Apps für Patienten einen nachvollziehbaren Nachweis ihrer medizinischen Qualifikation? Denn bei schon vorhandenen Schmerzen droht das Risiko, dass Übungen oder Messungen mehr schaden als nützen können. Im Ergebnis lassen vier Apps gar keine Zielgruppenansprache erkennen, zwei weitere richten sich allgemein an Personen, die Schmerzen vorbeugen wollen. Elf Apps sprechen Schmerzpatienten an, fünf davon wenden sich konkret an Patienten mit einer spezifischen Diagnose – zum Beispiel Arthrose oder Rheuma. Und sechs Apps richten ihre Infos generell an Menschen mit Rücken- und Gelenkschmerzen.

Nach Auffassung der Verbraucherzentrale NRW müssen App-Anbieter zwingend darauf hinweisen, dass bei gesundheitlichen Problemen vorab ein Arzt hinzugezogen werden sollte und die fachlichen Quellen nennen, auf deren Grundlage die App entwickelt wurde. Diese Mindestkriterien erfüllen jedoch gerade mal vier der elf Apps. Ebenfalls vier Apps fallen durchs Raster, weil der Hinweis auf den Arzt fehlt. Von den restlichen sieben Apps patzen drei, weil sie keine Informationsquelle nennen. Auch bei den Apps, die die Kriterien formal erfüllen, ist die Umsetzung sehr heterogen. Meistens wird lediglich eine Institution benannt statt fundierte, wissenschaftliche Nachweise zu liefern. Beispielsweise nennt eine App als Referenz ein Physiotherapiecenter, eine andere eine Universität. Einmal wird ein Arzt namentlich angegeben, in einem Fall eine Trainerin.

"Ganz gleich, ob beim Arztbesuch oder der Anwendung einer einschlägigen Gesundheits-App: Patienten sind auf verlässliche Informationen und Hilfe zur Klärung von Symptomen und Behandlung von Krankheiten angewiesen", erklärt Schuldzinski. Der NRW-Verbraucherzentralen-Chef fordert, dass entsprechende Auskunftspflichten der Anbieter bereits in der Produktbeschreibung im jeweiligen App-Store sowie in der App gesetzlich verankert werden. Außerdem sollten Patienten vor dem Gebrauch alle relevanten Informationen zugänglich gemacht werden. Das ist bislang noch keine gültige Praxis. Während der Markt der mobilen Gesundheits-Apps rasant und ungehindert wächst, gibt's nur eine Handvoll Apps, die bislang offiziell hinsichtlich ihres medizinischen Gehalts und Nutzens zertifiziert worden sind. Eine qualitative Kennzeichnung von medizinischen Gesundheits-Apps ist laut Verbraucherzentrale NRW eine notwendige Voraussetzung für Anwender, um nützliche Apps zu identifizieren. Eine fundierte und unabhängige Zertifizierung ist außerdem wichtig, damit anerkannte Apps in die Regelversorgung übernommen, vom Arzt verordnet und von der Krankenkasse bezahlt werden können.

"Eine Gesundheits-App ersetzt nicht den Arztbesuch", richtet Schuldzinski auch einen dringenden Appell an hilfesuchende Patienten, "bei einem Angebot auf einem Market-Place stets zu prüfen, welchen Zweck die dargebotene App verfolgt und wer sie herausgibt, bevor sie das Angebot downloaden und nutzen."

Die Studie der Verbraucherzentrale NRW zum gesundheitlichen Nutzen von kostenlosen Gesundheits-Apps gibt's im Internet unter www.verbraucherzentrale.nrw/gesundheitsapps.

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.

Raus aus der Trägheit, weg mit der Schwere - Neues Therapieprogramm
Ergotherapeuten beleuchten die Aktivitäten des Alltags. Gibt es ausgeprägte Aktivitätsdefizite, versetzen sie ihre Klienten in die Lage, diese zu überwinden. Kostengünstig und effizient.

Der inzwischen hohe Anteil von Menschen mit psychischen Erkrankungen wirkt sich nicht nur auf die Betroffenen selbst und deren Umfeld lähmend und energiezehrend aus. Die immensen volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Belastungen sind ein nicht minder großes Problem. Ein aus dem Kanadischen übertragenes ergotherapeutisches Therapieprogramm lässt sogar Menschen mit schwerer Depression, Zwangsstörung, Schizophrenie und weiteren psychischen Leiden hoffen. „Es geht an erster Stelle darum, diese Menschen aus ihrer Schwere und der Einseitigkeit ihrer Aktivitäten zu holen.“, erklärt der Ergotherapeut und Mitautor des deutschen Therapieprogramms Andreas Pfeiffer vom DVE (Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V.).

Es ist eine negative Dauerschleife, in der sich Menschen mit psychischen Problemen befinden. Sie empfinden eine Schwere, die sie lähmt. Die verhindert, dass sie aktiv sind, die Dinge tun, die wichtig sind wie morgens aufstehen, sich duschen, einen regelmäßigen, strukturierten Alltag haben und Teil der Gesellschaft sein. Und die dazu führt, dass die Tage von einer großen Einseitigkeit geprägt sind, die sie und das Umfeld oft als Aktivitätslosigkeit empfinden. „Auf der Suche nach wissenschaftlich untermauerten Möglichkeiten, wie wir die Situation dieser Patienten verbessern können, sind wir auf das kanadische Therapieprogramm ‚Action over Inertia‘, frei übersetzt ‚Handeln gegen Trägheit‘, gestoßen. Wobei Trägheit im physikalischen Sinne zu verstehen ist, also nicht als Aktivität des Nichts-Tuns oder als faul sein.“, setzt sich der Ergotherapeut Pfeiffer mit den Feinheiten des Therapieprogramms auseinander.

Aktivitätsmuster analysieren und verändern Das ergotherapeutische Therapieprogramm ‚Handeln gegen Trägheit‘ bietet eine Vielzahl von Arbeitsmaterialien für die Patienten. So beantworten diese selbstständig Fragebögen zu ihrem Alltag; der Ergotherapeut fungiert dabei als Coach, Moderator und den Prozess Steuernder. Entscheider bleiben die Patienten; dadurch empfinden sie Kompetenz und Eigenständigkeit. Das ist Teil des Therapieprogramms. Und eine ergotherapeutische Grundhaltung: Dem Gegenüber auf Augenhöhe zu begegnen und widerzuspiegeln, dass er etwas kann, er selbst bestimmt. Ein weiteres Element dieser Arbeitsmaterialen sind die sogenannten Aktivitätsmuster. Die Auswertung der Antworten zu den Bereichen des Alltags, also Selbstversorgung, Produktivität, Freizeit und Erholung, erfolgt in Form eines Balkendiagramms und zeigt auf einen Blick, mit welchen Aktivitäten der Patient seinen Alltag verbringt. Ob eine Ausgewogenheit da ist oder ob es Schwerpunkte gibt, was bedeutet, dass auch (Aktivitäts)Defizite vorhanden sind. Menschen, bei denen aufgrund ihrer Problematik kaum oder gar keine Aktivitäten in bestimmten Bereichen stattfinden, können diese Einseitigkeit im gezeigten Diagramm sofort selbst erkennen. Der nächste Schritt von Ergotherapeuten ist dann, ihren Klienten Impulse zu geben, sie zu befähigen, diese Aktivitätsdefizite zu überwinden. Diese Form der Verhaltensaktivierung durch Ergotherapeuten ist ein neuer Ansatz, der seine Wurzeln in der Depressionsbehandlung hat. Und der in seiner Wirkung einer kognitiven Verhaltenstherapie durch Psychotherapeuten in nichts nachsteht, in Summe sogar kostengünstiger und mit weniger Aufwand verbunden ist.

Therapieprogramm als Schlüssel zum Erfolg Diesen Effekt haben Ergotherapeuten mittlerweile in einer Studie belegt: Bereits nach zwölf Einheiten Ergotherapie gibt es einen messbaren Erfolg. Innerhalb einer Regelverordnung von 40 Einheiten erzielen sie durchgreifende Resultate. Einer der Gründe, so Pfeiffer: „Quick changes, also schnelle Veränderungen. Wir beginnen mit einem kleinen Ziel, das derjenige ziemlich sicher erreichen kann. Die Bestätigung, etwas mit Erfolg tun zu können, motiviert zum Weitermachen, bewirkt eine Dynamik.“ Und dies, so wie es sich auch in der Physik beim Thema Trägheit verhält, verleiht den Betroffenen die Energie, auch schwerere oder komplexere Ziele anzugehen und zu erreichen.

Einen erfüllten Alltag durch Aktivitätsbalance Nach solch beeindruckenden Erfolgen stellt sich üblicherweise die Frage, wie es weiter geht. „Bisher“, betont der Ergotherapeut „haben wir immerhin die „harten Nüsse“ im Bereich der psychischen Erkrankungen geknackt und erlebt, dass das Therapieprogramm auch bei weniger schwer Betroffenen gut anwendbar ist. Wir arbeiten daran, es auch für weitere Bereiche zu adaptieren.“ Auf die Frage, ob das Programm auch für Menschen vorstellbar sei, die aus welchen Gründen auch immer einen einseitigen Alltag, also Aktivitätsschwerpunkte haben, antwortet der Experte: „Jeder ergotherapeutischen Intervention geht ein Arztbesuch voraus. Aber mit dem Wissen, dass und welche Hilfe es gibt, steht ein Gespräch mit dem Haus- oder Facharzt unter einem ganz anderen Stern.“. Und er schließt mit dem Resümee: „Grundsätzlich gilt: Ergotherapeuten sind die Spezialisten, die ihren Klienten zu einem funktionierenden, erfüllten Alltag in Aktivitätsbalance verhelfen.“

Informationsmaterial gibt es bei den Ergotherapeuten des DVE (Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V.); Ergotherapeuten in Wohnortnähe auf der Homepage des Verbandes im Navigationspunkt Ergotherapie und Therapeutensuche und das Buch zum Therapieprogramm „Handeln ermöglichen“ beim Schulz-Kirchner-Verlag.

Mentales und körperliches Training fördert die Leistungsfähigkeit
TÜV Rheinland

Beim Treppensteigen den Schlüssel in der Tasche zu suchen oder beim Autofahren in der Stadt mit dem Beifahrer zu sprechen ist ganz normal. Für das Gehirn bedeutet es jedoch eine besondere Herausforderung, zwei Aufgaben zu koordinieren – mit zunehmendem Lebensalter gelingt dies immer schlechter. „Die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit lässt viel früher nach als viele denken: Schon bei 30-Jährigen können erste Einbußen mit psychometrischen Tests gemessen werden. Studien deuten darauf hin, dass ein sogenanntes Dual-Task-Training, eine Kombination aus körperlichen und mentalen Aufgaben, dazu beiträgt, die geistige Leistungsfähigkeit zu verbessern oder zu erhalten“, so Claudia Kardys, die als Senior Projektmanagerin Betriebliches Gesundheitsmanagement bei TÜV Rheinland Unternehmen verschiedener Branchen betreut.

In der betrieblichen Gesundheitsförderung kann dazu zum Beispiel ein Agility-Board eingesetzt werden. Bei dieser Trainingsform werden den Teilnehmern auf einem Tablet-PC Aufgaben, beispielsweise eine Abfolge von Feldern angezeigt, die sie sich merken und auf dem Board als Bewegungsablauf wiedergeben müssen. Das Agility-Board bietet über unterschiedliche Aufgaben die Möglichkeit, verschiedene kognitive Fähigkeiten wie das Arbeitsgedächtnis, die Konzentration oder das räumlich-visuelle Denken zu schulen. Für den Erfolg und die Motivation der Teilnehmer ist es wichtig, dass die Aufgaben auf die Leistungsfähigkeit des Einzelnen abgestimmt sind. Setzt ein Trainingseffekt ein, muss der Schwierigkeitsgrad der Aufgaben steigen. Ziel ist es, nicht nur einen Bereich im Gehirn zu schulen, sondern einen Transfereffekt zu erreichen: Durch ein Arbeitsgedächtnistraining zum Beispiel die Entscheidungsfindung zu beschleunigen oder die Ablenkbarkeit zu senken.
Bewegung verbessert die Durchblutung im Gehirn

Prinzipiell kann jede Form von körperlicher Aktivität mit geistigen Aufgaben kombiniert werden. Bei Krafttraining ist ein Teil der Aufmerksamkeit auf die Bewegung gerichtet. Deshalb ist es deutlich schwieriger, gleichzeitig eine Rechenaufgabe zu lösen als beim Joggen auf dem Laufband. Daher werden meist Ausdauer- oder Herz-Kreislauf-Trainings mit Denkaufgaben kombiniert. Durch die Bewegung wird die Durchblutung in allen Organen, auch im Gehirn, verbessert. Darüber hinaus steigt bei einigen Aktivitäten die Ausschüttung von Wachstumshormonen. Studien weisen darauf hin, dass ein kombiniertes körperliches und mentales Training die Qualität und die Menge neu gebildeter Nervenzellen und Zellvernetzungen im Gehirn positiv beeinflusst. „Wie das optimale Training aussieht, wie lange die Übungseinheiten sein sollten und welche Intensität sinnvoll ist, wird intensiv erforscht. In der praktischen Anwendung haben wir festgestellt, dass schon 15 Minuten Training am Tag nach sechs Wochen messbare Auswirkungen auf die Reaktions- sowie Konzentrationsfähigkeit und die Stressresistenz haben“, so Kardys.
Arbeitsfähigkeit erhalten

Logisches Denken sowie gezieltes und planvolles Handeln sind bei den meisten beruflichen Tätigkeiten unerlässlich. Ein Dual-Task-Training als Bestandteil der betrieblichen Gesundheitsförderung trägt dazu bei, diese Fähigkeiten bei Arbeitnehmern jedes Alters gezielt zu unterstützen. Damit leistet es einen wertvollen Beitrag dazu, Leistungsträger für die Unternehmen zu erhalten. Für eine nachhaltige Wirkung der betrieblichen Gesundheitsförderung muss zu Beginn analysiert werden, welcher Bedarf im Unternehmen besteht. Nach Abschluss der Maßnahme zeigt die Wirksamkeitsüberprüfung auf verschiedenen Ebenen, ob die Ziele erreicht wurden und wo Optimierungsbedarf besteht. „In den Präventionsteams von TÜV Rheinland arbeiten dazu Experten aus verschiedenen Gesundheitsberufen zusammen. Sie können Projekte der betrieblichen Gesundheitsförderung von der Analyse über die Konzeption und Umsetzung bis zur Evaluation betreuen. Für die Unternehmen bietet das den Vorteil, dass die Maßnahmen auf den Bedarf der Belegschaft zugeschnitten sind. Das motiviert die Mitarbeiter zur Teilnahme und unterstützt den langfristigen Erfolg“, weiß Kardys.

10.08.2017 DGA | Quelle: TÜV Rheinland